Margret Kappeler erinnert sich

Notoberschule im Forsthaus Liebenau 1945 - 1949
Daß bei Kriegsende 1945 der Studienrat Gustav Renz in der Liebenau wohnte, war ein Glück für viele Schülerinnen und Schüler unseres Ortes.
Nachdem das Fanny-Leicht-Gymnasium in der Stadt, an dem er vorher unterrichtet hatte, durch Bomben zerstört worden war, gründete er in drei freigewordenen Büroräumen des Forsthauses Liebenau eine Notoberschule in Waldenbuch. Unterstützt wurde er von Frau Scheel. und Fräulein Essig, die Handarbeit, Biologie, Geschichte und Religion unterrichteten.
Viele Schüler kamen aus den Nachbarorten, alle mit dem Fahrrad, denn Busverbindungen gab es nicht. Bei Wind und Wetter, Regen und Schnee, kaum jemand hatte eine regendichte Jacke, denn es gab nichts zu kaufen.
Es gab keine Bücher, was aus Büchern zu lernen war , wurde uns diktiert. Herr Renz unterrichtete die Hauptfacher für alle vier Klassen, immer zwei Klassen zusammen. Hefte konnte man kaufen, aber das Papier war von schlechter Qualität, grau und von kleinen Holzstückchen durchsetzt. Mit Tinte konnte man darauf nicht schreiben, sie zerfloß, deshalb wurde alles mit Bleistift geschrieben.
Herr Renz hatte die Angewohnheit, seinen Tafellappen auf den Kachelofen zu legen.
Eines Morgens zog Wiegandt seinen durchnässten Pullover aus und legte ihn zum Trocknen auf den Kachelofen. Herr Renz sprach zur Klasse und griff dabei seitwärts auf den Kachelofen, erwischte den Pullover und rieb flugs damit die Tafel ab. Manche riefen „halt”, und „ Wiegandt’s Pullover”! Verdutzt drehte sich Herr Renz um und die ganze Klasse fing an zu lachen und am meisten lachte unser Lehrer Gustav Renz.
In der Pause malten wir mit Kreide Spielfelder auf die Nürtinger Straße und spielten Völkerball. Es gab zu der Zeit kaum Autos, höchstens kam mal ein Bauer mit seinem Kuhfuhrwerk vorbei. Viele hatten Hunger aber kein Vesperbrot dabei, einige jedoch üppig belegte Brote. Man konnte genau sehen, wer begehrte Waren hatte, um auf dem „Schwarzen Markt „ Essen einzutauschen. Zwei Schwestern hatten sogar Rührei auf dem Vesperbrot .Das Brot war mit Papier umwickelt und wurde nur zum Abbeißen etwas zurückgeschoben, damit die hungrigen Kinder mit den knurrenden Mägen die Brote nicht sehen sollten.
Doch dann bekamen wir Hoover-Speisung, die im Anbau des Rathauses in großen Kesseln gekocht wurde. Eine Flüchtlingsfrau, Frau Hofmann schob jeden Tag zwei Kessel mit Hoover-Speisung in einem Fahrradanhänger in die Oberschule Liebenau und in die Glashütter Schule. Um allen mitzuteilen, was es zu Essen gab, kam sie die Treppe herauf öffnete die Tür des ersten Klassenzimmers und rief laut herein, was wir heute zu essen bekommen sollten. Eines Tages gab es Kakao und Dampfnudeln. Frau Hofmann öffnete die Tür und rief laut: „ Herr Dampf es gibt Renznudeln!” Ein Sturm der Begeisterung brach los, alle Schüler johlten, lachten und stampften vor Freude auf den Boden über diesen gelungenen Versprecher, und am allermeisten freute sich unser Lehrer Gustav Renz.
Auf dem Heimweg hatten eines Tages einige Buben die Idee, das dürre Gras am Hang hinauf zum Panoramaweg abzubrennen. Fasziniert sahen wir zu, wie sich die Flämmchen den Hang hinauf fraßen. Immer schneller wanderten die Flämmchen den Berg hinauf um plötzlich an zwei Bäumen in großen Flammen hochzuschlagen. Entsetzt schauten wir den Hang hinauf Plötzlich hatte jemand die Idee, mit den Schulspeiskesseln Wasser aus der Aich zu schöpfen. Wir bildeten rasch eine Kette, gaben die Wasserkessel weiter und schafften es tatsächlich, den Brand wieder selbst zu löschen. Aus Respekt vor den Erwachsenen und aus Angst vor Strafe unserer Eltern versuchten wir immer, den angerichteten Schaden wieder selbst zu beheben.
Als das Gymnasium in Vaihingen im Jahr 1949 den Schulbetrieb wieder aufnehmen konnte, wurde unsere Notoberschule leider geschlossen. Es gab immer noch keine gute Verkehrsverbindung nach Vaihingen, deshalb mussten wir zurück in die Volksschule.

Notoberschule im September 1948 - Links die Lehrer Gustav Renz und Frau Scheef, ganz rechts sitzend Marianne Essig
Auf dem Foto (Markierung) erkenne ich noch meine genagelten Stiefel, am Absatz und an der Spitze waren Eisele angebracht, damit sich die Sohle nicht so schnell ab lief.
Margret Kappeler, Waldenbuch
Glashütter Schulhaus - Quo vadis?
Die Glashütte, einer der Teilorte Waldenbuchs, ist bereits um 1400 in den Geschichtsbüchern erwähnt. Es liegt, im Süden abgegrenzt durch den Betzenberg, hineingeduckt in das Glashütter Täle, das sich gegenüber der Liebenau nach Norden in das Aichtal öffnet. Im zu Ende gehenden 1900 Jahrhundert war die Glashütte, bestehend aus etwa 30 Häusern, noch eigenständig. In dieser Zeit, nämlich 1890, wurde das Glashütter Schulhaus, von den Bürgen der Glashütte eigenhändig erbaut.
Die Diskussion über die zukünftige Verwendung und Nutzung des Glashütter Schulhauses führte im Gemeinderat zu kontroversen Diskussionen mit dem Schwerpunkt der Wirtschaftlichkeit. Viele Waldenbucher Bürger bekunden ihr Interesse und den Wunsch, das Glashütter Schulhaus in der öffentlichen Nutzung zu erhalten und Vereinen, Institutionen und den Bürgern die Möglichkeit zu geben das Gebäude zu Nutzen.
Um die Entscheidungsträger der Stadt Waldenbuch in ihren Gremien zu unterstützen, wurde die Initiative Glashütter Schulhaus gegründet. In diesem Bürgerforum wurden Nutzungsvorschläge, Wünsche und Möglichkeiten zusammengetragen und aufbereitet.
Die Ergebnisse haben die Mitglieder der Initiative dem Bürgermeister, den Gemeinderäten sowie interessierten an einen Informationsabend vorgestellt.
Hier das Video der Fotogruppe-Waldenbuch anlässlich der öffentlichen Veranstaltung zum Thema “Glashütter Schulhaus” am
16. September 2008 im Sängerheim Waldenbuch-Glashütte:
Waldenbucher Anekdoten
Ältere Menschen haben uns sehr viel zu sagen – man muss nur zuhören können! Solche Geschichten werden - wenn überhaupt – normalerweise nur von Mund zu Mund weitergeben. Dadurch verlieren Sie aber häufig sehr viel von ihrer Ursprünglichkeit.
Im Rahmen des „Kulturprojekt Historische Fotografien“ sammle ich alte Fotos von Waldenbuch damit diese Zeitdokumente, die Teil unserer Geschichte sind, erhalten bleiben. Ich betrachte deshalb solche Geschichten aus vergangenen Zeiten als ausgezeichnete Ergänzung zu den Fotos. Gerne würde ich meine Sammlung um solche Anekdoten erweitern. Wenn Ihnen das Schreiben schwer fallen sollte, kann ich auch ein geduldiger Zuhörer sein, oder ihre Erzählungen auch gern als Tondokument festhalten.
Diese Seite soll zu einem Ort für Waldenbucher Bürger werden, auf der sie ihre selbst gesprochenen Geschichten und eigenen Erlebnisse - so wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist - erzählen und wo diese als Audiodateien angehört werden können. Gerne bin ich auf Ihre Resonanz gespannt.
Walter Rebmann serviert deftig-schwäbisches
Kurzweilige Anekdoten, oft deftig-schwäbisch, serviert Gärtnermeister und Ex-Gemeinderat Walter Rebmann bei Führungen durch seine Heimatstadt oder als Nachtwächter bei seinem abendlichen Gang im Dunkeln durch Waldenbuch. Zahllos sind seine Schätze aus dem Alltagsleben der Menschen aus längst vergangener Zeit bis heute.
z.B. die “Umgehungsstrasse”
Alte Waldenbucher haben oft ihre eigenen Bezeichnungen für offizielle Strassennamen.
(Sprecher: Walter Rebmann)
Gemütlicher Polizeiposten
Wen ‘mer weiss, wie ‘ner heisst, wo ‘ner wohnt und er ist zu hause und er geht mit, dann hem ‘rn sofort!
(Sprecher: Walter Rebmann)
Selbanderhaus oder Haderhaus
Schon unsere, Vorfahren waren gezwungen zu sparen. So erfanden sie beispielsweise das “Selbanderhaus”, ein Haus mit getrennten Wohnungen für zwei Familien, aber mit gemeinsamer Küche. Auf den Spitznamen “Haderhaus” musste das Anwesen gegenüber der Renaissancefassade der Waldenbucher Schlosskirche zu St. Veit nicht lange warten.
(Sprecher: Walter Rebmann)
Walter Pfäffle’s kleine Geschichten zum Schmunzeln

Walter Pfäffle liest einige seiner selbst geschriebenen Geschichten aus der “Guten Alten Zeit” vor. Sie sind geprägt von Humor und Leidenschaft für seine schwäbische Heimatstadt Waldenbuch. Es handelt sich dabei um Begebenheiten aus seiner Kindheit und Jugend, die er so erzählt, als seien sie gestern passiert. Die Tonaufzeichungen können angehört und auch als MP3 Datei gespeichert werden. Weiter Tondokumente sind in Vorbereitung.
sieba Kittel wia dr Ulmer!
Über “dr’ Schmotzle” von der alten Ölmühle bei der Gänswiese und vom “dr’ Ulmer” dem alten Schuhmacher .
(Author: Walter Pfäffle)
s’ Dorle
Über die berühmte Waldenbucher Hebamme - mehr breit wie hoch!
(Author: Walter Pfäffle)

